Weitere Komplikationen

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Mögliche Komplikationen

Die drei eingriffstypischen Komplikationen sind: 

1. die Recurrensparese 

2. die Hypocalcämie 

3. die Nachblutung 

Recurrensparese und Hypocalcämie sind durch das anatomische Naheverhältnis des Stimmbandnerven und der Nebenschilddrüsen zur Schilddrüse bedingt. Das intraoperative Darstellen des Nervus laryngeus recurrens, speziell aber das Aufsuchen der Nebenschilddrüsen erfordert einige Übung und hat sich in den letzten Jahren vor allem in den großen Schilddrüsenzentren zunehmend etabliert. In unseren eigenen Qualitätssicherungsstudien konnten wir zeigen, dass die komplette Darstellung des Nervus laryngeus recurrens nicht nur die Komplikationsrate erheblich senkt, sondern auch die Chance auf Rückbildung der eingetretenen Komplikationen erheblich verbessert. Man kann davon ausgehen, dass bei sorgfältiger Nervendarstellung die postoperative Rate an Recurrensparesen zwischen 1 und 2% liegt (bei Rezidiveingriffen allerdings deutlich höher), die Rückbildungsrate bei dargestelltem Nerv in einem Zeitraum von ca. 6 Monaten bei über 80% liegt. Auch postoperative Hypocalcämien (5-1 0%) sind in den meisten Fällen reversibel. Die Hypocalcämie ist ein Ausdruck einer verminderten Nebenschilddrüsenfunktion und durch vorübergehend ischämische Schädigung der Epithelkörperchen oder ungewollte Resektion verursacht. Bei jeder Schilddrüsenoperation sollten zumindest zwei Epithelkörperchen sicher identifiziert und erhalten werden, Die Therapie der Hypocalcämie besteht in Kalziumsubstitution und Vitamin D 3 Analoga. Regelmäßige Kalzium-Kontrollen sowie gelegentliche Parathormonbestimmung sind im Follow-up erforderlich. Stellt sich intraoperativ heraus, dass ein Epithelkörperchen nicht an seinem versorgenden Gefäß-Stiel erhalten werden kann, so sollte stets eine Epithelkörperchen-Autotransplantation durchgeführt werden. Nach Bestätigung durch Gefrierschnittsdiagnose einer Epithelkörperchenbiopsie wird dieses in kleinste Gewebsstückchen zerteilt und in eine Muskeltasche des Musculus sternocleidomastoideus implantiert. Die Nebenschilddrüsenzellinseln ernähren sich durch Diffusion aus dem Muskel und werden wieder endokrin aktiv. Auch die Komplikation der Nachblutung ist zunehmend seltener geworden, einerseits durch selektivere Gefäßligaturen, zukünftig wahrscheinlich auch durch blutfreie Resektionen mit neuer Technologie (z.B. Ultraschallskalpell).

Die Rezidivstruma - eine besondere operationstechnische Problematik:

Die Rezidivstruma ist neben der Chirurgie des Schilddrüsenkarzinoms der technisch anspruchvollste Eingriff. Die Anatomie entspricht nicht mehr jener beim Ersteingriff, oft bestehen auch erhebliche Vernarbungen. Nervus laryngeus recurrens und Nebenschilddrüsen sind oft nicht mehr an typischer Stelle anzutreffen und liegen verhängnisvoll zwischen den Rezidivknoten. Nur die sorgfältigste Präparation kann Komplikationen vermeiden, die Präparationstechnik ist denkbar schwieriger als beim Ersteingriff. Weiters können die großen Gefäße (V. juglaris, A. carotis, in sehr ungünstigen Fällen auch der Osophagus) an der Schilddrüsenkapsel adhärent sein. Die Operation einer Rezidivstruma ist zwingend an ein Schilddrüsenzentrum gebunden. Eine besonders strenge OP-Indikation ist bei kontralateral vorbestehender Recurrensparese zu stellen, da das (wenn auch sehr geringe) Risiko einer beidseitigen Recurrensparese besteht. Eine beidseitige Recurrensparese ist häufig tracheostomiepflichtig, bewirkt eine erhebliche Einbuße der Lebensqualität des Patienten und schränkt seinen sozialen Umgang dramatisch ein.